13 August 2026

Der Fächer aus roter Seide: Ein Richter-Di-Kriminalroman von Adrian Vogler [Rezension]

 


Der Fächer aus roter Seide: Ein Richter-Di-Kriminalroman
von Adrian Vogler

Alle Rechte: Adrian Vogler
Erscheinungstermin: 24. Juli 2026
Seitenzahl Hardcover: 213
ISBN: 979-8188656270

Auch erhältlich als E-Book und Taschenbuch


Tang-Dynastie im Jahr 669

Richter Di wird beauftragt nach Liu-tschou zu reisen, um dort für dreißig Tage die Amtsgeschäfte des plötzlich verstorbenen Magistrats Pan zu übernehmen.
Schon bei seiner Ankunft wird klar, dass hier jemand unrechtmäßig die Macht über die Stadt übernommen hat und schon bald wird der Richter mit merkwürdigen Todesfällen und einem Dämon konfrontiert, der den alten Tempel bestiehlt und gleichzeitig Gold zurücklässt.
Also begibt sich Richter Di mit seinen vier Gehilfen auf Spurensuche.

Zuerst hat mich das Setting im alten China auf den Roman aufmerksam gemacht. Obwohl ich eigentlich keine Krimi-Leserin bin, hat mich dieses Buch von Beginn an, mit dem bildlichen Schreibstil und der passenden Sprache, in das China der Tang-Dynastie eintauchen lassen.
Es gilt drei Kriminalfälle zu lösen und die Art und Weise dahin hat mir sehr gut gefallen!

Richter Di ist ein ruhiger, analytisch und logisch denkender Mann. Zu seinem Team gehören vier Leutnants, die sehr unterschiedlich arbeiten und je nach Bedarf eingesetzt werden.
Da ist zunächst Hoong, der Wachtmeister und Schreiber des Richters, der alles schriftlich festhält. Dann gibt es den Kämpfer Ma Jung, der genau weiß, wie man in den Garküchen und Schänken an Informationen kommt. Chiao Tai ist ebenfalls ein Kämpfer, aber auch sehr wortkarg und eine etwas blasse Figur.
Mein Lieblingscharakter ist Tao Gan (ich habe ihn den stillen Beobachter genannt). Er ist ein ehemaliger Gauner mit einem besonderen Blick für Schlösser und die verborgenen Dinge.
Und es gibt die verschiedenen Gilden und deren Meister, auch Kurtisane und Konkubine, einen Leichenbeschauer und weitere Personen.

Von Kapitel eins an habe ich mitgerätselt und mitermittelt. Ich hatte auf meinem Weg zur Auflösung so einige Verdächtige und Möglichkeiten, dennoch war ich mir bis zum Schluss nicht wirklich sicher, wer einer der Mörder war. Auch emotional haben mich einige Schicksale berührt, denn manche handelten aus der Not heraus, andere aus Gier. Die Atmosphäre insgesamt fand ich richtig klasse und auch bei den historischen Begriffen war alles passend. Ich fand die Geschichte auch durchgehend spannend und ohne Längen, alles ließ sich rückblickend logisch und zwingend erklären.

Zum Schluss wird auch Gericht gehalten und auch hier hat mich die Gesetzgebung und die Art von Richter Di fasziniert. Ich war mit einem Urteil nicht so ganz konform, aber es waren eben andere Zeiten.

Der Autor hat hier die Fäden sehr geschickt verwoben und diesen Krimi ganz im Stil des niederländischen Diplomaten Robert van Gulik geschrieben, der immer drei historische Fälle in seine Bücher aufgenommen hatte. Für mich war das mein erster Richter-Di-Kriminalroman und ich würde jederzeit auch weitere von Adrian Vogler lesen. Ich hoffe also, dass er noch welche schreibt!

Richter Di ist eine historische Person, die es tatsächlich gab. Dazu fand ich das Nachwort im Buch sehr informativ und interessant.

Ich kann das Buch jedem empfehlen, der historische Krimis mag und in eine alte fernöstliche Welt eintauchen möchte. Ich empfehle das Buch auch jedem, der, so wie ich, eigentlich kein Krimi-Leser ist aber etwas für das Setting im alten China übrig hat. Das Buch ist spannend vom ersten Kapitel an und konnte mich komplett überzeugen. Ich wünschte, das Buch würde verfilmt!


Hier habe ich noch ein sehr interessantes Video vom Autor, in dem man erfährt, wer Robert van Gulik war und wie es zu den Richter-Di-Romanen kam.



Über den Autor:

Adrian Vogler schreibt historische Kriminalromane und literarische Serienformate aus einer tiefen Freude am Erzählen heraus. Schreiben ist für ihn weniger Berufung im klassischen Sinne als sein liebstes Hobby: eine Form des Lesens mit eigenen Mitteln. So wie andere Menschen Bücher verschlingen, entwickelt er Geschichten, Figuren und Ermittlungswelten — aus Neugier, Begeisterung und dem Wunsch, in atmosphärische Welten einzutauchen.

Sein Werk bewegt sich bewusst zwischen zwei Polen: der klassischen Detektivliteratur des frühen 20. Jahrhunderts und eigenständigen, genreübergreifenden Ermittlungswelten. Seine literarische Prägung begann mit Sherlock Holmes, insbesondere mit der eigentümlichen Spannung von The Hound of the Baskervilles, wo rationale Deduktion auf eine leise, kaum greifbare Bedrohung trifft. Dieses Zusammenspiel aus Logik und Unbehagen bildet bis heute einen Kern seines Erzählens.

Eine zweite prägende Figur wurde Charlie Chan, zunächst entdeckt im Kino der 1930er-Jahre, vor allem in den Filmen mit Warner Oland. Die Verbindung aus Höflichkeit, analytischer Schärfe und unterschwelligem Unheimlichen führte später zur literarischen Auseinandersetzung mit den Romanen von Earl Derr Biggers. Mit dem „Neuen Charlie-Chan-Kanon“ führt Adrian Vogler den Detektiv in eigenständigen Fällen der 1930er- und 1940er-Jahre weiter, darunter Charlie Chan’s Christmas, eine bewusste Hommage an den klassischen Weihnachtskrimi.

Neben diesen traditionsbewussten Reihen entwickelt Adrian Vogler eigene Ermittlungswelten, in denen klassische Deduktion auf technologische und existenzielle Grenzbereiche trifft. Die Steampunk-Krimiserie „Die Ermittlungen von Cyrus Li und D. Chess“ verbindet viktorianische Ästhetik, alternative Geschichte und kosmischen Schrecken.

Für Adrian Vogler ist Schreiben vor allem das: eine leidenschaftliche Art, Geschichten zu erleben, weiterzudenken und mit anderen zu teilen.

(Quelle: Lovelybooks)


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